Ein Schiff!

Mittwoch, 22. Juni

Um zehn sehen wir ein Containerschiff achteraus am Horizont. Es kommt schnell näher. Das erste Schiff seit vier Tagen. Es überholt uns an Backbord und kreuzt unseren Kurs mit den vorgeschriebenen zwei Seemeilen Sicherheitsabstand. Es vergeht gerade mal eine Stunde von der ersten Sichtung bis es Steuerbord voraus wieder am Horizont verschwindet. Klar, das ist mit 20 Knoten viermal so schnell wie wir.

Unsere Tagesetmale liegen in den letzten Tagen zwischen 130 und 150 Seemeilen. Das ist ganz in Ordnung. Allerdings hatte ich mir von einem Kat noch mehr Speed erhofft. Wir kommen bislang kaum über 8 Knoten. Das liegt aber auch daran, dass Johann schon bei 16 Knoten Wind refft. Mit Vollzeug wären da vielleicht 9-10 Knoten drin. Er will das Schiff schonen, ein gutes Argument.

Ein Thunfisch beißt an

DSC03345Je näher wir ihn holen, umso erstaunter sind wir. Ein Thunfisch von etwa 100cm Länge! Er brauchte den restlichen Rum aus der angefangenen Flasche, bestimmt 300 ml, bis er ruhig gestellt war. Peter schneidet unter Johanns Anleitung die Filets heraus. Wir schätzen unterschiedlich und einigen uns auf ca. 5-6 kg Thunfischfilet. Das Lebendgewicht mag um die 20-25 kg gewesen sein. „Das war ein junger“, meint Johann.

Jetzt beginnt eine heiße Diskussion, bei der ich überstimmt werde. Bei normalen 200 Gramm Portionen gibt das mindestens 10 Mahlzeiten. Für drei Mahlzeiten haben wir Platz im Gefrierfach. Drei mal drei Portionen können wir braten und kalt essen. Und die nächsten Tage müssten wir jeden Tag Thunfisch essen.

Einen Fisch zu fangen und zu töten, um satt zu werden, finde ich in Ordnung. Aber 500 Gramm Portionen Fisch sind selbst mir als passionierter Fleisch- und Fischesser zu viel. Das ist Völlerei. Und so viel drum herum wegzuwerfen, ist auch nicht gut.

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Heute Abend essen wir Thunfisch mit Kartoffelgratin. Und morgen, und übermorgen… Die aufgetaute Schweinelende müssen wir braten und nebenbei kalt essen.

Um 16 Uhr kommt Johann und bereitet das Abendessen. Wenn das wirklich ein Thunfisch ist, war es mein bester, den ich je gegessen habe.

Freitag, 24. Juni.

Späte Wache um zwei Uhr. Da ist es wieder. Das Gefühl von Freiheit und eins sein mit der Schöpfung. In sternenklarer Nacht alleine im Cockpit bei gefühlten 22 Grad. Was ist schöner als segeln?

Ob das so weiter geht mit diesen Traumbedingungen? Himmel und Hölle liegen auf See dicht beieinander. Das Wetter kann auch anders. Innerhalb weniger Stunden kann ein Sturm aufziehen und die Fahrt zwar zu einem unvergesslichen Erlebnis, aber dennoch sehr ungemütlich machen. Ich hoffe, alles mit zu bekommen. Meist verrät schon eine vorauseilende Düngung, was uns erwartet. Wer Luftdruck und Wolken aufmerksam beobachtet, ist immer gut vorbereitet.

Johann holt sich jeden zweiten Tag den Wetterbericht über Satelliten Telefon auf den Laptop. Eine feine Sache. Der Empfang ist allerdings nicht immer gut. Das Telefon braucht freien Himmel. Selbst die Segel schatten den Empfang ab.

Wir sind auf Höhe der Bermudas, knapp 300 Seemeilen östlich. Unsere aktuelle Position: 31.59 N und 059.49 W. Allmählich werden wir in weitem Bogen nach Osten laufen, Richtung Azoren…

…Halbwindkurs, bei Windstärke vier. Dünung knapp zwei Meter aus Südost, vereinzelt zarte Schaumkrönchen auf den Wellen. Da lacht das Seglerherz. Ich passe Agate ihr Kleid neu an, ziehe hier was, zurre dort und komme auf 6-7 Knoten. Agate scheint das zu gefallen, bei Leichtwind spielt sie ihre Stärke voll aus. Ich freue mich, bin ganz bei mir. Das sind Sternstunden einer Langfahrt.

DSC03740Am späten Nachmittag fotografiere ich. Meer, Wellen, Wolkenbilder, Agates Heck in Rauschefart. Es ist mein schönster Segeltag bis heute. Da! Mir stockt der Atem, ich rufe Johann aus der Küche. Wir sehen Rückenflossen 50 Meter hinter uns. Tauchen kurz auf und wieder ab. Sie kommen näher. Sie zeigen mal den Kopf, mal die Rückenflosse, zwei sind ganz kurz nahe am Heck. Das sind keine Delfine. Sie sind schwarz, mit rundem Kopf, kräftig, bullig, vielleicht vier oder fünf Meter lang. Das ist schwer auszumachen. Wir denken an Schweinswale, sind uns aber nicht sicher. Nach wenigen Minuten haben wir sie verloren.